Finca Los Castaños - Kaffee von den Kanaren

Der einzige Kaffee Europas wächst in Agaete

Im Schatten der Obstbäume des Tals werden meterhohe Sträucher kultiviert, die die begehrten Bohnen hervorbringen. Möglich macht das das einzigartige Mikroklima des Tals, das die richtige Mischung aus Sonne und Wärme, aber auch Windschutz und Schatten bietet. Kaffeepflanzen sind nämlich sehr empfindlich und nehmen zu viel Sonne genauso übel wie zu wenig Wärme. Seit dem 19. Jahrhundert wird im Valle de Agaete Kaffee angebaut.

Ein mühsames Geschäft

cafe-agaete-pflanzenGeht man über die Kaffeeplantage, fühlt man sich ein bisschen wie in einem Dschungel, so dicht und üppig grün sind die Sträucher. Die Blätter erinnern von der Form her ein wenig an Lorbeerblätter. Im Juni beginnen sie zu blühen, die Blüten sind weiß, manchmal leicht rosa, und sehen ein wenig wie Jasmin aus. Die Ernte der Beeren beginnt dann im März und erreicht ihren Höhepunkt im darauffolgenden April bis Juni. In dichten Trauben sitzen die Beeren - cerezas gennant - direkt an den Stängeln und machen dem Pflanzer die Ernte nicht leicht: Da sich zu jedem Zeitpunkt Beeren verschiedener Reifegrade an einem Stängel befinden, wird der Café de Agaete ausschließlich manuell und mit großer Sorgfalt geerntet, um maximale Qualität sicherzustellen. Nur ganz dunkelrote Beeren (en su punto) werden abgezupft, grüne und hellrote aber an den Stängeln belassen. Das erfordert viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung - und ziemliche Geduld, denn aus einem Eimer Beeren von 7 - 8 Kg Gewicht gewinnt man später etwa nur 1 Kg verwendbare Kaffeebohnen, von denen sich je zwei in einer Beere verstecken. Im Valle de Agaete erntet man nach der Methode pipeteo: die Beeren werden dabei einzeln von Hand gepflückt. So erzielt man natürlich ein qualitativ weit hochwertigeres Ergebnis, als nach der gängigeren Erntemethode sobado, bei der man mit der halbgeschlossenen Hand einen Zweig entlangfährt und die Beeren dabei abstreift - wobei sich natürlich manche unreife Beere mit unter die Ernte mogelt und die Beeren auch Gefahr laufen, gequetscht zu werden. Aber selbstverständlich ist pipeteo auch die aufwändigste und schwierigste Form der Ernte - kein Wunder, dass die jährliche Produktionsmenge im gesamten Tal denn auch nur zwischen 1.500 und 2.000 Kg liegt.

Cafe-de-Agaete-TrocknungIst der Kaffee geerntet, wird er getrocknet - auch das wieder ein sehr aufwändiger Vorgang: Unter freiem Himmel werden die cerezas auf Holzgestellen von etwa 1 x 2 Metern Größe, über die Drahtflächen gespannt sind, ausgebreitet. Die Schichten dürfen dabei nicht zu hoch gestapelt werden, da die Beeren sonst zu schimmeln beginnen würden. Während des Trocknungsprozesses müssen die cerezas regelmäßig gewendet werden, sie dürfen weder nass werden noch zu starker Sonne ausgesetzt sein. Auch das also wieder eine diffizile Angelegenheit! Während des Trocknungsprozesses werden die Beeren immer dunkler; optimal getrocknete Beeren rascheln beim Wenden und Schütteln, da sich die Bohnen darin frei hin- und herbewegen können (das dauert je nach Wärme und Jahreszeit hier bis zu 20 Tage. Dann werden die (noch grünen) Kaffeebohnen herausgeschält und von allem Fruchtfleisch befreit.

cafe-agaete-roestungUnd nun müssen die noch grünen Kaffeebohnen geröstet werden. Erst währenddessen entfalten die Bohnen ihren typischen Geschmack. Anders als in den großen Kaffeeröstereien, wo Dauer und Hitze der Röstung heute computergenau gesteuert werden, erfolgt auch dies in Agaete a mano, von Hand. Deshalb schmeckt der Kaffee von zwei unterschiedlichen Fincas, der von zwei unterschiedlichen Spezialisten geröstet wurde, auch nie ganz gleich. Geröstet werden die Bohnen in großen Metall- oder Tonkesseln, die ständig in Bewegung sein müssen, da die Bohnen nur so gleichmäßig rösten. Ungefähr 15 - 20 Minuten dauert das bei einer Temperatur von 220 - 250°C, je nach Röstungsgrad unterschiedlich.

 


Etwas ganz Besonderes

Der Kaffee aus dem Valle de Agaete ist mehr als nur ein Weckruf. Der besonders feine und edle Geschmack verbindet sich mit traumhaften Urlaubserinnerungen an einen besonderen Fleck Erde. Es ist fast als ob man den Atlantikdunst und das milde Klima Gran Canarias schmecken kann. Ein kleine Spur Kakao und ein Hauch grüner Apfel und Jasmin scheinen im Aroma mit zu schweben. Weil er so edel ist, wird der Cafe de Agaete vor allem schwarz und ohne Zucker getrunken, also ganz anders als man das in den vielen Bars in Spanien kennt. In Agaete genießt man seinen Kaffee wie Tee - Pur. Auf den extra Zuckerschub kann man verzichten, da der Kaffee seine eigene zarte Süße durch die karamelisierten Bohnen erhält. Das Aroma des Kaffees von Agaete ist so besonders, dass die Bohnen als Gourmetprodukt allmählich ihren Siegeszug um die Welt antreten.

Der Cafe de Agaete hat einen stolzen Preis, dies soll an dieser Stelle auch erwähnt werden. Wer aber einmal den aufwändigen Kultivations- und Verarbeitungsprozess miterlebt hat, zahlt das Geld gerne und fragt sich eher, ob er nicht noch zu niedrig angesetzt ist. Und wer den Café de Agaete einmal probiert hat, ist für andere Kaffeesorten eigentlich verdorben - man kann sie trinken, aber sie schmecken einem nie wieder so wie vorher!

Der Café de Agaete  ist wirklich etwas ganz Besonderes: sehr aromatisch, dabei sanft im Geschmack, mit ausgesprochen wenig Säure und wenig Bitterkeit. Sein Aroma erinnert ein bisschen an Schokolade und Süßholz.

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